„Die Waisenkinder von LOI TOK I TOK“ – Tourblog #4

Kurz vor Weihnachten berichtet unser Team Euch etwas detaillierter über ein Projekt, welches wir in Kenia besucht haben. Diese Einrichtung werden wir auch in Zukunft begleiten und unterstützen…seid gespannt!

Am Fuße des Kilimandscharo liegt Loi Tok i Tok eine kleine Stadt mit 6000 Einwohnern. Es ist unsere letzte Station in Kenia mit einem der interessantesten Projekte auf der bisherigen Tour. Gerade jetzt, kurz vor Weihnachten, haben wir entschieden dieses Waisenkinderprojekt stärker in den Fokus zu rücken  und hoffen Menschen zu finden, die uns dabei unterstützen.

Auf dem kleinen weißbemalten Holzschild steht in schwarzen Buchstaben „LOI TOK I TOK CHILDREN ORPHANAGE HOME“ (LCOH); im Hintergrund wiegen sich die Äste eines großen alten Baumes vor der wolkenbehangenen Silhouette des Kilimandscharo.

Der Pfeil weist uns auf einen schmalen, mit Pfützen übersäten, Feldweg. An unseren Schuhen sammelt sich rot-brauner Lehm und bildet schwere Klumpen, als wir ein drei Meter hohes buntbemaltes Stahltor erreichen. Blechern hallt das Klopfen von den Türen wieder. Nach wenigen Minuten öffnet sich unter lauten Knarzen und Quietschen eine kleine Tür in der Mitte der Metallwand und Maria, die vorübergehende Haushaltshilfe des Projekts, bittet uns herein. Wir betreten den weitläufigen Innenhof des Grundstücks. Rechts von uns befindet sich das Wohnhaus. In der Mitte des Hofes ist eine große Wäscheleine aufgespannt Über den Hof schallen die Stimmen von Kindern, das aufgeregte Gackern von Hühnern und ein langgezogenes „Muuhh“ einer Kuh.

Wir haben gerade auf einer schattigen Bank gegenüber des Wohngebäudes Platz genommen, als Maria in die Wohnstube bittet. Phillis Ndivo, die Hausherrin und Gründerin des Projekts, ist gerade in der Stadt und auf dem Weg zu uns. Wir haben es uns gerade auf den beige-roten Couches bequem gemacht als die Tür auffliegt und Phillis, eine wohlproportionierte Frau Mitte fünfzig, den Raum betritt. Schweißgebadet und außer Atem fällt sie Lisa um den Hals. Beide kennen sich, da Lisa das Projekt seit zwei Jahren aktiv unterstützt und begleitet. Nach dieser herzlichen Begrüßung bittet Phillis uns wieder Platz zu nehmen und eines der Mädchen aus dem Projekt serviert uns den landestypischen Schwarztee mit Milch und Zucker.  Währenddessen beginnt Phillis uns von ihrer Arbeit hier vor Ort zu erzählen.

Bereits im Jahr 2003 hat sie das LCOH ins Leben gerufen. Da sie selbst als Grundschullehrerin tätig ist, hat sie auch immer mit Kindern zu tun gehabt, deren Eltern gestorben sind und die daher auf der Straße leben müssen. Da diese Kinder keine Chance auf eine gute schulische Bildung haben, haben sich Phillis und ihr Mann entschieden, diese Kinder bei sich aufzunehmen und ihnen die Schulbildung zu ermöglichen.  Da es in Kenia quasi unmöglich ist staatliche Hilfe zu erhalten, mussten beide das Projekt von Anfang an in ihrem eigenen Haus umsetzen. Dabei sind sie zu einem großen Teil auf Nachbarschaftshilfe angewiesen, die sie in Form von Essen, Kleidung oder Schulsachen gesammelt haben.  Binnen weniger Monate ist die Zahl der Kinder auf 20 angewachsen, was einen Ausbau des bestehenden Wohnhauses unumgänglich machte.

Das Ziel des Projektes besteht darin, den 20 Kindern einen Schulabschluss und darüber hinaus eine Ausbildung zu ermöglichen. Die Kinder, von denen der größte Teil gerade die Ferien bei seinen verbliebenen Verwandten verbringt, sind zwischen 12-14 Jahre alt. Die Großeltern, Onkel und Tante sind nicht in der Lage die Kinder in irgendeiner Form zu unterstützen. Das LCOH in Person von Phillis kümmert sich um die Erziehung der Kinder und das Aufbringen der Schulgebühren. Aber auch die Kinder tragen ihren Teil bei, indem sie kleine Arbeiten übernehmen, um Gelder für Ihre eigene Ausbildung zu sammeln. Die Schulkosten für ein Kind belaufen sich auf lediglich 6€ pro Monat plus die Ausgaben für Schuhe, Seife, Essen und Schulsachen. Da für das erste Trimester das komplette Geld für die Schulgebühren fehlt, haben wir uns entschieden diese Kosten zu übernehmen und einen Teil des Schuljahrs damit abzusichern. Bei der Mittelschule handelt es sich um eine Mischung aus Internat und Ganztagsschule. Darüber hinaus wollen wir von GoalsConnect sicherstellen, dass die 20 Kinder ihre Schule beenden können. Dabei hoffen wir besonders auf Deine Hilfe, um dieses Projekt am Leben zu erhalten.

Nachdem Phillis uns alles über das Projekt erzählt hat und uns die Zeugnisse, Fotos und eine kalkulierte Kostenaufstellung gezeigt hat, führt sie uns über das restliche Gelände.  Direkt gegenüber dem Wohnhaus befindet sich das Küchenhaus, das mit der Hilfe von Spendengeldern aus Lisas Heimatstadt Elmshorn gebaut werden konnte.

Dahinter befinden sich eine paar zementierte Wasserbehälter und kleine Stallungen mit zwei Kühen und ein paar Hühnern für die Eigenversorgung. Auf unserem Rundgang begleiten uns zwei der Mädchen des Projekts, die beide etwas verschüchtert aber höflich auf unsere Fragen antworten. Nach drei Stunden endet dann unser Besuch. Beeindruckt von der Energie und dem Willen einer einzelnen Frau machen wir uns auf den Rückweg über den schlammigen Lehmboden Südkenias.

Wir wünschen allen eine besinnliche Weihnachtszeit und Danken euch für eure Hilfe und Unterstützung!

2 Gedanken zu „„Die Waisenkinder von LOI TOK I TOK“ – Tourblog #4

  1. Wir freuen uns,daß sich die „Startformation“ in Sambia wieder vereint hat und Stefan gut angekommen ist.Wir wünschen Euch einen weiteren erfogreichen und (nicht zu–)spannenden Verlauf!Eine zusätzliche 250-Eurospende,die Anfang Januar auf Eurem Konto sein wird,findet garantiert einen sinnvollen Verwendungszweck.Einen guten Start ins „2011“und beste Gesundheit wünschen Thomas und Mercedes aus dem bitterkaltem Saalburg.

  2. Liebe goalis!
    Wir wünschen Euch, dass Euer tolles Projekt weiterhin so gut läuft, wie Ihr es beschreibt! Vielen Dank für die Berichte (auch die inoffziellen)! Ihr hinterlasst Spuren und Hoffnung auf Eurem Weg und öffnet so ganz nebenbei die Augen für ein Afrika, dass nicht bereit ist, zu sterben, sondern auch voller Eigeninitiative und Kraft ist. Viele liebe Grüße aus Elmshorn!

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